Die Reinkarnation des Herrn G.

Es ist ja schon ein Weilchen her, dass Student S. auf seinem spanischen Tagebuch aus Angst, einem direkten Diskurses über seine Anschuldigungen gegenüber dem StuRa und der Unileitung der TU Ilmenau nicht standhalten zu können, lieber widerrief und sich dabei auf eine Stufe mit dem guten alten Galileo Galilei stellte. Nun hat er auch den scheinbar dazugehörgen Brief an den Rektor der TU Ilmenau veröffentlicht und sieht sich ganz als Sieger.

Was wie ein geschickter Schachzug verkauft wird, könnte sich aber aus einem anderen Blickwinkel als alles andere als eine Verbesserung seiner Situation darstellen. Rekapitulieren wir kurz worum es bei dieser Diskussion mit Studenten S. genau geht: Er sagt es würde einen brauen Sumpf aus StuRa. Burschenschaft und Unileitung geben, belegt dies aber weder noch stellt er sich einer offenen Diskussion hierrüber. Nach einigen Hin und Her verlangt die Unileitung, dass er die Behauptungen von seinem Blog löschen solle, anderenfalls droht eine Exmatrikulierung wegen Rufschädigung der Universität.

Da wir ja wissen, dass an der Behauptung nichts dran ist, Student S. aber, um sein öffentliches Gesicht zu wahren, kaum widerrufen wird, haben wir ihm ein kleines Schlupfloch gebastelt: In dem Blogartikel Quo vadis Student S.? haben wir Albert Camus zitiert wie er am Beispiel Galileo Galileis schrieb, dass es sich nicht lohne für ontologissche Beweise zu sterben. Hierdurch wäre es für Student S. möglich sich scheinbar erhobenen Hauptes aus der Angelegenheit befreien und den universitären Frieden wäre auch Genüge getan. Nun finden müsse Student S. dies Schlupfloch noch und auch wissen wie man es sinnvoll verwenden könne…

Student S. hat diesen Wink mit dem Zaunpfahl durchaus verstanden und profilierte sich fortan gern auf einer Stufe mit Galileo Galilei. Dies freut uns, die wir wissen wie schlecht es um sein Geschichtswissen bestellt ist (Datum!), natürlich um so mehr. Denn wir kennen die wahre Geschichte um den Herrn G.:

  • Zitat! Der Ausspruch des Herrn G. “Und sie bewegt sich doch!” ist ein falsches Zitat. [1]
  • Beweise! Herr G. konnte nie Beweise für die von ihm veröffentlichten Behauptungen vorlegen, er gab jedoch vor derlei Beweise zu besitzen aber sie nicht veröffentlichen zu können, da sie sowieso niemand verstehen würde. Selbst auf Nachfragender Kirche und des Papstes persönlich wollte er nichts rausrücken. “Doch Galilei wollte nicht die Last des Beweises auf sich nehmen, denn der springende Punkt bei der ganzen Geschichte ist, …, daß er keine Beweise besaß.” [A. Koestler, Die Nachtwandler, a. a. O., S. 443.]
  • Eitelkeit! “Herr G. wurde das Opfer der Politik von Papst Urban VIII., der ihm zuvor sehr zugetan war. Schuld daran waren politische Umstände und persönliche Angriffe G. gegen den Papst, nicht aber religiöse Gründe. Der Prozeß ging vom Papst aus, während die Inquisition ihn eher abschwächte als verschärfte.” [12]
  • Diskussionsstil! “Seine Methode war, den Gegner lächerlich zu machen – und damit hatte er immer Erfolg, gleichgültig ob mit Recht oder Unrecht. … Die Methode erwies sich als ausgezeichnet, um im Augenblick Triumphe zu feiern und sich Feinde fürs Leben zu schaffen.” [50] “In den späteren polemischen Schriften entwickelte sich Herrn G.s Stil vom groben Geschimpfe zur Satire, die oft billig, manchmal fein, aber immer wirkungsvoll war. Er vertauschte den Knüttel mit dem Stoßdegen und erlangte in dessen Gebrauch eine seltene Meisterschaft…” [55]
  • Heuchelei! “Hätte es in der Absicht der Inquisition gelegen, Herrn G. zu vernichten, dann wäre das der gegebene Moment gewesen, ihm die zahlreichen Auszüge aus seinem Buch entgegenzuhalten … zu zitieren, was er über die untermenschlichen Idioten und Pygmäen gesagt hatte, die sich Kopernikus entgegenstellten, und ihn des Meineids zu überführen. Statt dessen folgte, wie das Prozeßprotokoll berichtet, nach Herrn G.s letzter Antwort nichts anderes als: ‘Und da nichts weiter mehr zu tun blieb in Ausführung des Dekrets, ließ man ihn seine Aussage unterschreiben und schickte ihn nach Hause’. Beide, die Richter und der Angeklagte, wußten, daß er log …” [66].

Nun schon erstaunlich wie sich die Vitas von Student S. und Herrn G. ähneln. Wie wäre es nur gewesen, wenn man schon im 16./17. Jahrhundert Weblogs erfunden hätte? Wie wäre die Geschichte des Herrn G. wohl dann ausgegangen?

Weniger erfreulich an dieser Stelle ist aber mal wieder, dass der veröffentlichte Brief an den Rektor nicht der Brief ist den Student S. wirklich an den Rektor geschrieben hat. Während der veröffentliche von subtilen Hohn und Spot durchdrungen ist, liest sich das Original deutlich sachlicher und demütiger. Auf die Aufforderung an Student S. doch bitte den richtigen Brief zu veröffentlichen erwiderte er nur mit den üblichen Anwaltsdrohungen. Ob uns das wirklich aufhalten sollte die Wahrheit ans Licht zu bringen? Wir geben Student S. 12 Stunden Zeit…

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2 Responses to “Die Reinkarnation des Herrn G.”

  1. suapoc Says:

    Soll das jetzt heißen Herr S. sagt die Wahrheit ? :P

    [Reply]

  2. blog.ahzf.de » Blog Archive » Die zwei Seiten des Studenten S. Says:

    [...] zwei Seiten des Studenten S. Der Blogbeitrag Die Reinkarnation des Herrn G. berichtet über den fehlgeschlagenen Vergleich des Studenten S., der seinen Widerruf auf eine Stufe [...]

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